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Kommt man da überhaupt raus, wenn man Individualität liebt und Kundenzentriertheit in den Mittelpunkt stellt? – Teil 2 des The Power MBA-Selbstexperiments

Kann man den MBA in täglich 15-minütigen Powersessions schaffen? Eine so hochkarätige Ausbildung – demokratisiert und für jeden zugänglich? Geht das? Bringt das was? Ich mache ein Selbstexperiment und berichte euch monatlich von Erfolgen, Rückschlägen und Erkenntnissen. Und ich teile auch die für mich erwähnenswerten Inhalte mit Euch. Folge 2

Seit einem Monat teste ich also nun: The PowerMBA, eine neuartige MBA-Alternative, die mir eine hochkarätige Ausbildung (das Programm deckt alle Bereiche eines traditionellen MBAs ab) verspricht. Mit aktueller und praxisnaher Wissensvermittlung in Mikrolearning Einheiten in kürzester Zeit (15 Minuten pro Tag!), online wann und von wo aus auch immer ich will. Meine Erwartungen und Hoffnungen habe ich in Folge 1 ja schon mal festgehalten. 

Hier also meine ersten Ergebnisse: 

  • Ich habe es nicht geschafft, täglich 15 Minuten für das Lernprogramm frei zu machen.
  • Ich habe das komplette vergangene Programm von einem Monat in drei komprimierten Tagen nachgeholt.
  • Ich mag, dass andere Kollegen online ansprechbar sind. Aber ich war zu Beginn doch nicht so ambitioniert, wie am Anfang gedacht, in ein Forum zu posten, in dem ich niemanden kenne. 
  • Als es sich bei einem Thema aber mal wirklich anbot, da waren die Posts der anderen Teilnehmer sehr hilfreich für mich und haben mich auch motiviert, meine Meinung zu teilen.

Und dann gibt es da noch was: Ein Thema, das mich schon lange Zeit umtreibt. Für das ich mir nun im Rahmen des MBA-Programms endlich mal die Zeit genommen habe, mich damit ausführlich auseinander zu setzen. Wie schön, dass es auch zum Programm gehört!

Das Ergebnis will ich mit euch teilen. Vielleicht sind es ja am Ende solche Ergebnisse, für die es sich lohnt am Programm teilzunehmen? Lasst mich mal wissen, was ihr denkt. 

Es geht um das “Owners’ Business Dilemma”. Schon mal gehört?

Was ist ein Owner’s Business Dilemma?

In einem klassischen Owner’s Business Dilemma befindet sich jemand, der selbst seine wichtigste Schlüsselressource und gleichzeitig sein wichtigster Vertriebskanal ist. Und welcher selbständige Berater ist das nicht? Auf mich jedenfalls trifft das voll zu. 

Ok, grundsätzlich lieben mich viele meiner Kunden, weil ich ein scheinbar unkaputtbares Arbeitstier bin. Weil ich mein Business liebe und das, was ich tue. Weil ich tief in jedes Projekt einsteige. Weil ich eng und sehr persönlich mit den beteiligten Teams zusammenarbeite. Weil ich hoch personalisierte Lösungen anbiete. Und nicht zuletzt, weil ich einfach liefere. Es müsste schon ansatzweise die Welt untergehen, dass ich das nicht tue.

Ich bin prinzipiell stolz darauf, dass ich diese Ansprüche habe und dass meine Kunden mich und meine Leistungen schätzen und mich immer weiter empfehlen. 

Gleichzeitig komme ich dadurch oft an meine Grenzen. Und diese Grenzen hindern mich daran, mit meinem Geschäft weiter zu wachsen, es profitabler oder skalierbar zu machen, geschweige denn Kapazitäten für neue Aufträge zu gewinnen.

Denn: 

  • Bei meinem Geschäftsmodell hängt fast alles an mir. Wenn ich selbst nicht da bin, dann hat mein Business keinen Wert. Keiner kauft mein Unternehmen ohne mich. 
  • Ich verkaufe meine Zeit gegen Geld. Und Zeit habe ich nur eine begrenzte Menge. 
  • Meine Marke steht für hoch-individuelle Projekte – wenn andere daran schon gescheitert sind, dann werde ich hinzugezogen. Dadurch sind alle meine Projekte speziell und immer anders.
  • Meine Akquise ist abhängig von mir selbst: Ich verkaufe meine Leistungen durch mich selbst und dadurch, dass ich persönlich weiter empfohlen werde.

Traurig aber wahr – ihr ahnt es schon: Ich habe einen Job, kein Business 🙁 

Diesem Dilemma wollte ich Anfang diesen Jahres endlich entgehen als ich mich mit meinen Kolleginnen Stefanie und Katrin zur Gründung der Gelben Raben entschloss. 

Wir wollten diesen Fokus auf uns selbst und die Limitierung, die damit verbunden ist, hinter uns lassen. Wir wollten Größeres bewegen. Mehr Freiraum zur Gestaltung haben. 

Was die Experten empfehlen

Was empfehlen denn die Experten von ThePowerMBA in meinem Fall? Nidhi Bhasin von Bizwize Consulting hat es allgemein erläutert und ich breche es mal runter:

  1. Ein Weg heraus aus der “Zeit gegen Geld-Falle” soll die Umstellung auf ein kontinuierliches monatliches Honorar sein.  

Meine Erfahrung: Dieses Modell habe ich vor einigen Jahren mal für eine Weile getestet und fand es grundsätzlich nicht schlecht. Vor allem, weil es mir ein bisschen Entspannung gebracht hat, da ich wusste, was mich erwartet. Aber natürlich ist in einer One Woman Show auch ein monatliches Honorar am Ende des Tages eine Art Zeit gegen Geld. Zwar kann man seine Zeit jederzeit selbst einteilen und muss stattdessen Ergebnisse vorweisen (was prinzipiell für alle Beteiligten schon mal besser ist, als die Zeit nachzuweisen!). Auf der anderen Seite benötigt man natürlich trotzdem seine Zeit und kann aufgrund dieses Modells nicht wirklich mehr Aufträge annehmen. Und es gehört noch mehr Disziplin dazu. Da Disziplin nicht wirklich zu meinen Schwachstellen gehört, habe ich mich eher in meinem Perfektionismus wiedergefunden und in der Regel um einiges mehr geleistet als notwendig und kalkuliert war.

  1. Eine weitere Empfehlung ist, Content zu generieren und anzubieten. Ich könnte also zum Beispiel Workshop-Sessions vorab produzieren und dann mehrfach anbieten. Die Sache ist klar: einmaliger Aufwand + keine weiteren Kosten = Skalierung.

Mein Einwand: Das rüttelt an meinem Geschäftsmodell, meinem Fokus auf den individuellen Kunden und dem “Erlebnis”. Vielleicht wäre es denkbar, für neue Kunden, die mich noch nicht kennen? Es würde sozusagen eine kleinere Einstiegshürde für Neukunden darstellen, weil leichter abrufbare und niedrigerer Preis. Aber wollen das Kunden? Und wenn ja, welche? Und will ich Kunden, die diese Art von Leistung suchen? Mit den Gelben Raben ist auch eine Akademie für Führungskräfte angedacht. Hier macht generierter Content Sinn. Alleine hätte ich tatsächlich keinen Ehrgeiz, das aufzubauen. Da bräuchte ich nämlich dann nichts anderes mehr zu tun. 

Genaugenommen ist der ThePowerMBA ja auch nichts anderes…  

  1. Als nächstes erfolgt die Empfehlung: sogenannte vertikale Dienstleistungen zu integrieren. Für mich hieße das, meinen Kunden weitere Projekte bzw. Leistungen anzubieten. “Cross-selling”! Macht ja auch Sinn. Die Kunden kennen mich und wissen, was sie sich einkaufen. Gleichzeitig nähre ich aber auch das Bild einer eierlegende Wollmilchsau und man könnte an meiner Expertise zweifeln. 

Und  ich versuche gerade mein ziemlich umfangreiches Portfolio (der Fluch einer Volkswirtin) eher zu reduzieren. Die nächste Überlegung wäre demnach auch wieder, ob die Services nicht digital sein könnten.

Und natürlich frage ich mich auch, ob es nicht ein schöner Weg wäre, weitere Kollegen aus meinem Unternehmen bei meinen Kunden einzuführen. Hier liegt auf jeden Fall der Fokus der “Gelben Raben Company”. Denn „ganzheitliche Lösungen“ sind genau das, was unseren Kunden angeboten werden soll: ein Bündel an Produkten und Dienstleistungen rund um die soziale und digitale Transformation. Genau dafür ist unser heterogenes Ökosystem konzipiert.

  1. Und dann gibts ja auch noch das Thema “Digitale Werbung”. Ich könnte meine Netzwerkzeiten reduzieren, indem ich Inhalte automatisiert nach außen gebe. Mit meinem Credo “Wissen teilen” tue ich das auch bisher schon. Allerdings immer  individuell an einzelne und auch nicht systematisch und regelmäßig. Konkret hieße das also regelmäßig Newsletter, Blogposts und so weiter schreiben. Wäre also ein Blogartikel wie dieser ein Schritt in die richtige Richtung? Das könnte mir natürlich weitere Kunden einbringen. Aber nicht automatisch auch die Zeit, um mit ihnen zu arbeiten. Denn Zeit war die Begrenzung, die ich überwinden wollte. 

Alles in allem merke ich so beim Schreiben, dass mir das Skalieren meiner eigenen Leistungen sehr schwer fällt. Es stößt schon deshalb auf Widerstand in mir, weil mir der persönliche Kundenkontakt und die Kundenzentriertheit so wichtig sind. Ich will das gar nicht gegen ein wiederholbares und skalierbares Modell eintauschen. Die Frage ist, ob es entweder oder sein muss? Und wo macht es für beide Seiten Sinn, auch in der Beratung mehr Automatisierung zuzulassen? Die Kombination wird aus meiner Erfahrung die Lösung sein: persönliche Beratung und automatisiertes Angebot, das jederzeit von überall abrufbar ist. Aber kann ich das alleine leisten? Oder nur mit den Gelben Raben? Oder – bei meinen Ansprüchen – weder noch? Was meint ihr?

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Gelbe Raben

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munin@gelberaben.de

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